Info Nr. 3

 

Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte kommt der
Verwirklichung näher.

 

Die Wüstenrot Stiftung steigt ein.
Vertragsunterzeichnung am 22. März 2013
 



Darstellung des Zusammenwirkens des Architekten Egon
Eiermann
mit dem Dorfpfarrer Heinrich Magnani zur Schaffung einer Wohnsiedlung in Hettingen

 

Hettingen. Die Wüstenrot Stiftung in Ludwigsburg hat das Projekt zur Schaffung einer Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte in ihr
Denkmalprogramm aufgenommen. - Was bei der Jahresmitglieder-versammlung des Hettinger Trägervereins „Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte“ bereits mitgeteilt werden konnte, ist nun besiegelt.

 

Am Freitag, 22. März 2013 wurde der Vertrag zwischen dem Verein und der Stiftung in Anwesenheit von Gästen im Eiermann-Magnani-Haus in froher Stimmung unterzeichnet. In dem Vertrag wird die Aufnahme ins Denkmalprogramm bestätigt und sind die Verantwortlichkeiten der Vertragspartner festgehalten.

 

Wie der Vorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. Wulf D. von Lucius, darstellte, handelt es sich bei der Aufnahme der geplanten Dokumentationsstätte ins Denkmalprogramm der Wüstenrotstiftung nicht um eine Bezuschussung des Vereinsprojekts, sondern um die Übernahme aller Planungen und Aufwendungen zur Reparatur und Sanierung des Anwesens, unter Berücksichtigung des Zustands von 1947, einschließlich Garten und Schuppen.

 

Geschäftsführer Philip Kurz stellte das Hettinger Projekt in den prominenten Reigen der Gebäude, die bereits Bestandteil des Denkmalprogramms sind. In ihrem Denkmalprogramm verfolge die Wüstenrot Stiftung die Revitalisierung bedeutender Denkmäler, deren spätere öffentliche Nutzung gewährleistet sein müsse. Folgende Revitalisierungen seien bereits abgeschlossen: Erich Mendelsohns Einsteinturm in Potsdam, Le Corbusiers Doppelhaus in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, Sep Rufs Kanzlerbungalow in Bonn, Selman Selmanagics Aula und Foyer der Weißensee Kunsthochschule Berlin, die Fürstengruft in Weimar, das Bugenhagenhaus in Wittenberg, das Biblische Haus in Görlitz, Walter Gropius‘ Meisterhaus Muche/Schlemmer in Dessau, Hans Scharouns Haus Schminke in Löbau, der Wordspeicher in Quedlinburg, das Marientor in Naumburg, das Frommannsche Anwesen in Jena, das Jan Bouman Haus im Holländischen Viertel von Potsdam, das Schabbellhaus in Wismar, Künstlerhäuser in Dresden-Hellerau und das Stadtbad in Halle. - Laufende Projekte seien die Geschwister-Scholl-Schule von Hans Scharoun in Lünen und das Stipendiatenhaus der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. In Vorbereitung befinde sich neben der Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte auch Ludwig Leos Umlauftank in Berlin.

 

Bürgermeister Roland Burger stellte die große Bedeutung von Egon Eiermann für die Stadt Buchen heraus, der hier zusammen mit der charismatischen Priesterpersönlichkeit Heinrich Magnani Architektur- und Sozialgeschichte geschrieben habe. Er zitierte aus Archivunterlagen über die Bauzeit.

 

Träger der Dokumentationsstätte bleibt der gemeinnützige Verein
"Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e.V.". Er wurde nach
Darstellung des Vorsitzenden, Manfred Pfaus, 2008 von einer Gruppe bau- und sozialgeschichtlich interessierter Leute aus dem Raum Buchen und aus der Egon-Eiermann-Gesellschaft (Karlsruhe) in Hettingen gegründet. Initiator war Manfred Pfaus.

 

Die Idee dahinter: Der Architekt Egon Eiermann plante in Kooperation mit Pfarrer Heinrich Magnani1946/1947 in Hettingen eine Siedlung zur Schaffung menschenwürdiger Wohnmöglichkeiten. Dies soll am Ort des Geschehens dokumentiert werden.

 

Jeder für sich war in seinem Umfeld zu hohem Ansehen und großem Bekanntheitsgrad gekommen. Aus dem Dorfpfarrer Heinrich Magnani wurde ein bundesweit anerkannter Geistlicher Rat. In zahlreichen Schriften, in Büchern und Filmen wurde seine Leistung gewürdigt. Aus dem Architekten Egon Eiermann wurde der Karlsruher Architekturprofessor mit weltweit anerkannten Bauwerken. –

 

Dies sind die Kernpunkte des in Hettingen geschaffenen Werks:

  • Die Integration von Heimatvertriebenen, die als Fremde
    zugewiesen wurden und eine neue Heimat brauchten.
  • Die Gründung der kirchlichen Baugenossenschaft „Neue
    Heimat“ durch Pfarrer Heinrich Magnani mittels unkonventioneller Methoden.
  • Die Planung einer städtebaulichen Siedlung und von 30
    Ein-Familien-Reihenhäusern durch Egon Eiermann in moderner Architektur und dennoch mit einfachen Mitteln.
  • Die Mobilisierung eines ganzen Dorfes zur
    Unterstützung des großartigen Vorhabens.

 

Dem tief in sozialer Verantwortung verwurzelten Pfarrer war es gelungen, den Angekommenen eine „neue Heimat" zu bereiten. Er gründete die „Notgemeinschaft Hettingen", eine auf die Situation maßgeschneiderte Genossenschaft, und fand in Egon Eiermann einen genialen Planer.

 

Heinrich Magnani

Heinrich Magnani wurde 1899 als Sohn einer italienischen Bauunternehmer- familie in Ettlingen geboren. Seine priesterliche Laufbahn hatte ihn zuletzt von Mannheim 1935 nach Hettingen geführt. Er starb 1979 und wurde am Ort seines zweiten großen Wirkens, im Kinder- und Jugenddorf Klinge, Seckach, beigesetzt.

 

Egon Eiermann

Egon Eiermann 1904 als Sohn eines aus Buchen stammenden Landtechnikers in Neuendorf bei Berlin geboren, war bis 1945 Architekt in Berlin. Er wirkte mit Unterstützung seines Großvaters 2 Jahre in Buchen und Mosbach. 1947 bis zu seinem frühen Tod 1970 war er Professor für Architektur an der TH Karlsruhe und schuf weltweit anerkannte Bauwerke wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin oder die deutsche Botschaft in Washington.“. Er ist in Buchen beerdigt.

 

Der Verein

Der Verein hat für die beschriebene Dokumentationsstätte mit privater Unterstützung das weitgehend im Originalzustand erhaltene Siedlungshaus in Adolf-Kolping-Straße 29 (Haus Huther/Fleck) erworben und nennt es  „Eiermann-Magnani-Haus“. Dort will er das glückhafte Zusammentreffen des Architekten Egon Eiermann und des Dorfpfarrers Heinrich Magnani mit wissenschaftlicher Akribie und mit staatlicher und privater Förderung  dokumentieren. Es werden die zahlreichen Abhandlungen über diese beiden historischen Persönlichkeiten zusammengeführt. Symposien werden das Schaffen begleiten, die im gegenüberliegenden Hettinger Lindensaal stattfinden können.

 

Dank

Der Vorsitzende dankte im Rahmen der Vertragsunterzeichnung allen Spendern und Sponsoren, die dazu beigetragen haben, dass das Siedlungshaus vom Verein erworben und der jetzige Projektstand
erreicht werden konnte.

Vertragsunterzeichnung am 22. März 2013 in Hettingen.

Auf dem Foto (sitzend von links): Stiftungsgeschäftsführer Philip Kurz, Stiftungsvorsitzender Prof. Dr. Wulf D. von Lucius, Vereinsvorsitzender Manfred Pfaus. (stehend von links): Vereinsvorstandsmitglied Wolfgang Voegele, Vors. der Egon-Eiermann-Gesellschaft, Karlsruhe, stellv. Vereinsvorsitzender Thomas Jurgovsky, Chef der Baugenossenschaft Familienheim BCH/TBB, Buchen, Bürgermeister Roland Burger, Buchen. - Foto: Karl Mackert